Geschichtsexkursion der 11. Klasse des Gustav-Freytag-Gymnasiums in die Bildungs- und Gedenkstätte „Andreasstraße“ nach Erfurt

Die Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße erinnert an Unterdrückung und Widerstand während der SED-Diktatur in Thüringen 1949-1989. Im Gebäude der heutigen Gedenkstätte betrieb das Ministerium für Staatssicherheit der DDR eine Untersuchungshaftanstalt. Das „MfS“, im Volksmund „Stasi“, war in der DDR zugleich Nachrichtendienst und Geheimpolizei und fungierte als innenpolitisches Machtinstrument der SED.

Das Gebäude wurde am Ende des 19. Jahrhunderts errichtet und nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 entwickelte sich das Gerichtsgefängnis zu einem Ort der Unterdrückung Andersdenkender. Nach Kriegsende 1945 stand das reparaturbedürftige Gefängnis unter sowjetischer und drei Jahre später unter deutscher Verwaltung. Zunächst wurde das Haus allein von der Polizei genutzt, ab 1952 teilte man es sich mit dem Ministerium für Staatssicherheit. Wie zur Zeit der Nationalsozialisten wies man Menschen aus religiösen oder politischen Gründen in die Untersuchungshaftanstalt ein und hielt sie dort unter den widrigsten Bedingungen für mehrere Monate gefangen.

Die drei Schlagworte aus dem Ausstellungstitel „HAFT, DIKTATUR, REVOLUTION“ bezeichnen die Stockwerke des Hauses, durch welche uns Frau Cebulska führte. Der Rundgang durch die Ausstellung begann in der zweiten Etage im Zellentrakt. Dieser Ort machte durch den engen Gang, den alten, erhaltenen Gefängniszellen und den prägnanten Geruch einen düsteren Eindruck auf uns. Besonders bewegt haben uns einige handschriftliche Briefe, welche die Inhaftierten an ihre Familiennach Hause sandten.Frau Cebulska erklärte uns, wie mit diesenpolitischen Gefangenen umgegangen wurde- permanenter Isolation, Demütigungen, Drohungen, sowie stundenlanger Verhöre waren sie ausgesetzt. Ihres Namens beraubt, bekam jeder Häftling eine Nummer zugeteilt.

Ein kreatives Comicprojektes der Gedenkstätte brachte uns anschaulich nah wie der DDR-Staat alle persönlichen Lebensbereiche beeinflussen konnte. Im Ausstellungsbereich „Diktatur“ führte uns Frau Cebulska besonders die grausamen Methoden des MfSvor Augen.

Im Erdgeschoss des Hauses neigte sich unser Rundgang mit Erläuterungen zu den politischen Umbrüchen in der DDR 1989/90 langsam dem Ende. Unsere Führung endete im Innenhof, wo wir nocheinmal einprägsame Impressionen von der Außenfassade, dem sogenannten „Kubus“ des Hauses sammeln konnten. Der „Kubus“ ist eine besonders große comicartige Darstellung der friedlichen Revolution 1989/90. Das Fassadenbild, basierend auf Originalfotos, erzählt die Ereignisse vom Herbst 1989 in Thüringen.

Geschichtsunterricht einmal anders und in einem größeren historischen Rahmen betrachtet, ließ uns unsere Vergangenheit durch diese Exkursion (be)greifbarer machen.

31.05.19, L. H., Kurs 11

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