Gustav Freytag

Gustav Freytag


Ich sollte schreiben, doch ich saß im Dämmer
Verstäubt und reisemüde auf der Bank,
Unlustig zu der Arbeit, einst Erlebtes
Dem lieben Deutschen auf dem Markt zu schildern. 

Da zog's am Vorhang und das Fenster klirrte,
Um Haupt und Herz ergoß sich helles Licht,
Die Feder fühlt' ich in die Hand gedrückt,
Und leise klang die Mahnung: "Schreib". - Ich schrieb.

Heut leg ich diese Blätter dir ans Herz,
Vertraute meiner Werkstatt, Mahnerin!
Zuerst gehört vor andern dir das Buch, 
Zumeist vor allen dir des Freundes Dank. 

Siebleben, 1. Oktober 1886

Unterschrift

Sein Leben


Eigentlich war der 13. Juli 1816 ein ganz normaler Samstag. Jedoch nicht im Leben der Familie Freytag. Denn an diesem besagten Samstag wird im schlesischen Kreuzburg ihr Sohn Gustav geboren, welcher später einer der berühmtesten deutschen Schriftsteller werden sollte. In den Jahren 1817 und 1818 wohnt die Familie zwischenzeitlich in Pitschen. Als Sohn des Bürgermeisters von Kreuzburg wird er sehr streng erzogen. Mit sechs Jahren nimmt ihn sein Onkel, Pastor Neugebaur, unter seine Fittiche, zusammen mit seiner Cousine und später auch mit seinem jüngeren Bruder. Diese gute Schulbildung ermöglicht ihm Ostern 1829 zu seinem Onkel Karl Freytag nach Oels zu ziehen, um das dortige Gymnasium zu besuchen. Zu seinen Fächern zählen unter anderem auch Griechisch und Latein, welche Gustav Freytag hervorragend beherrscht und ihm daher von seinen Lehrern eine hochqualifizierte philologische Laufbahn vorausgesagt wird.

Am 30.5.1835 besteht er sein Abitur und beginnt dann in Breslau Philologie zu studieren. Zu seinen Lehrern zählen unter anderem Hoffmann von Fallersleben, Schneider und Ambrosch. In dieser Zeit tritt er in das Studentenkorps der Borussen ein, denn obwohl er Schlesier ist, fühlt er sich doch immer zu Preußen hingezogen. Ab dem Wintersemester 1836/37 studiert Gustav Freytag in Berlin, wo ihn unter anderem Böckh, Bopp, von Hagen und Lachmann unterrichten. 1837 beginnt er seine ersten dramatischen Versuche mit "Der Hussit" und "Die Sühne der Falkensteiner" (1838), welche jedoch beide nicht veröffentlicht werden. Am 30. Juni promoviert er mit seiner Dissertation "De initiis scenicae poesis apud Germanos", in der er versucht, "die Anfänge des deutschen Dramas bei den urgermanischen Johannis- und Erntefesten zu finden". Er stellte die These auf, dass sich das deutsche Drama "aus einer frühzeitigen Verschmelzung der altheidnischen Volksgebräuche und der christlichen Kirchenbräuche entwickelt [habe], sein Ursprung sei eigen, einheimisch und habe nichts mit der antiken Dichtung zu schaffen".

Am 1. Mai 1839 habilitiert Freytag mit der Arbeit "De Hrosuitha poetria. Adjecta est comoedia Abraham inscripta". In den Jahren 1839 bis 1844 arbeitet er an der Universität Breslau. Zusammen mit seinen Kollegen Hoffmann von Fallersleben und Dr. Geyder sammelt er Volkslieder, nach dem Vorbild der Gebrüder Grimm. Das Drama "Die Brautfahrt oder Kunz von der Rosen" wird 1844 veröffentlicht und erhält den von Friedrich Wilhelm II. ausgeschriebenen zweiten Preis für Dramen.

Im Urlaub auf Helgoland im Herbst 1842 lernt er Emilie, die Frau des Grafen von Dyhrn, welche später seine Frau werden sollte, kennen und lieben. Sein ehemaliger Lehrer und Freund Hoffmann von Fallersleben wird 1843 aufgrund seiner "unpolitischen Lieder" aus seinem Amt als Dozent entfernt. Freytags Hilfsanerbieten bleibt jedoch ohne Wirkung. Im Februar 1843 bewirbt er sich um dessen Nachfolge, wird jedoch abgelehnt; die Stelle erhält Theodor Jacobi.

Sein Gedichtband "In Breslau" erscheint 1845, wobei er sich zum ersten und zugleich zum letzten Mal als Lyriker versucht. Seine Neugierde zum Theater verschlägt ihn 1846 nach Leipzig, jedoch zieht es ihn schon nach einem Jahr nach Dresden (1847), wo er im Herbst dann endlich Emilie Scholz, geschiedene Gräfin von Dyhrn zur Frau nimmt. Zusammen mit seiner Angetrauten zieht er letztendlich wieder nach Leipzig (1848).

Im Juli 1848 übernimmt er zusammen mit seinem Freund Julian Schmidt die Zeitschrift "Grenzboten", eine politische Zeitschrift, die 1849 in Österreich verboten wird. Der Tod des Vaters 1848 ist für ihn ein schwerer Schicksalsschlag. Im gleichen Jahr veröffentlicht er seinen Dramenband "Dramatische Werke".

Aufgrund der für seine Gesundheit schlechten Stadtluft Leipzigs wählt Gustav Freytag seinen neuen Sommersitz Siebleben im Herzen Thüringens. Dort kauft er "die gute Schmiede" am 2. Juli 1851, um sich von den Strapazen zu erholen. Das Lustspiel "Die Journalisten" erscheint 1852. Jedoch schlägt das Schicksal wiederholt zu: Die Mutter stirbt 1855, drei Jahre darauf stirbt auch sein Bruder Reinhold. Sein erfolgreichster Roman "Soll und Haben" erscheint noch im gleichen Jahr (1855).

Seine kunsthistorischen Schriften "Bilder aus der deutschen Vergangenheit" erscheinen erstmals 1859, "Die verlorene Handschrift" 1864. Im Februar 1867 geht er als Abgeordneter im konstituierenden Reichstag nach Berlin. Diese Zeit ist von Spannungen zwischen Frankreich und Deutschland geprägt, welche sich bis zum Krieg zuspitzen. Im August und September 1870 begleitet Gustav seinen langjährigen Freund Friedrich, den Kronprinzen von Preußen, als Kriegsberichterstatter nach Frankreich. Gustav Freytag selbst ist liberal gesinnt, wie viele Schriftsteller seiner Zeit. 

Am 31. Dezember 1870 verlässt er die "Grenzboten". Sein darauffolgendes Werk "Die Ahnen" , ein historischer Romanzyklus ( sechs Bände), erscheint 1872 bis 1880. Trotz seiner Erfolge als Schriftsteller verschont ihn das Schicksal auch diesmal nicht: am 13. Oktober 1875 stirbt seine Frau Emilie nach langer Krankheit.

Sein erstes Kind Gustav Willibald wird am 16. August 1876 in Heddernheim bei Frankfurt geboren. Die junge Familie zieht nach Wiesbaden um und wohnt dort ab Dezember 1876 im Hotel "Zur Rose". 1877 wird sein zweites Kind Waldemar in Wiesbaden geboren. Um das Familienglück perfekt zu machen, heiratet er am 22. Februar 1879 Marie Kunigunde Dietrich, die Mutter seiner beiden Söhne. Die Hochzeit fand vermutlich in Siebleben statt. 

Um mit der wachsenden Familie nicht länger im Hotel leben zu müssen, kauft er 1881 ein Haus in Wiesbaden. Nach drei Jahren im neuen Haus stirbt sein Sohn Waldemar im zarten Alter von nur sieben Jahren. Seine Frau ist darüber so sehr verzweifelt, dass sie am 18. Mai 1884 in eine Nervenklinik eingeliefert wird. Noch im gleichen Jahr lernt er Anna Strakosch kennen. In den Jahren 1886 bis 1888 erscheinen seine "Gesammelten Werke" mit einer Widmung an Anna.

Am 15. Juni 1888 hört auch das berühmte Herz seines Freundes Kaiser Friedrich auf zu schlagen. Im Jahre 1890 lassen sich sowohl Gustav Freytag als auch Anna Strakosch von ihren Ehepartnern scheiden, um dann gemeinsam am 10. März 1891 den heiligen Bund der Ehe einzugehen. Ihre Hochzeitsreise führt die beiden im April 1891 nach Nizza und an die oberitalienischen Seen. 
Das Glück sollte nicht von langer Dauer sein, denn am 30. April 1895 stirbt Gustav Freytag im Alter von 78 Jahren in Wiesbaden. Sein letzter Wunsch war es, die letzte Ruhe auf dem Kirchfriedhof zu Siebleben zu finden. Daher wurde seine Urne nach Siebleben überführt.

Verfasst von: 
Susanne Ortlepp, Jana Kliemann, Kathrin Lampert