Hin zum Schüleraustausch! - Weg von Vorurteilen!

von Alessa Augustin, 10.09.2018

Im Rahmen der Seminarfacharbeit „Vorurteile Jugendlicher in der deutsch-russischen Beziehung am Beispiel Gotha-Moskau“, wofür dieser Artikel als Eigenbeitrag verfasst wurde, habe ich, Alessa Augustin, zusammen mit meiner Gruppenpartnerin den Standpunkt vor allem deutscher Schüler/innen zu Russland, der russischen Sprache und russischen Jugendlichen untersucht.

Dabei stellten wir fest, dass das Erlernen eines neuen Alphabetes wie im Falle des russischen oder die Annahme, die russische Grammatik sei schwer, Gründe für viele Schüler sind, das als leichter empfundene Französisch zu erlernen. Dabei stellt meiner Meinung nach weder das kyrillische Alphabet noch die Grammatik ein Problem in den sechs Jahren dar, in denen die Sprache unterrichtet wird. Das kann ich nur zu gut bestätigen, da ich selbst die ersten sechs Jahre am Gymnasium Russisch lernte und nun in der 11. und 12. Klasse den Französischkurs belege. Im direkten Vergleich sind beides wundervolle Sprachen, deren Lernen viel Spaß verspricht. Dennoch ist es schade, sich selbst die Chance zu nehmen, Russisch als außergewöhnliche Sprache zu lernen sowie am Schüleraustausch teilzunehmen. Denn durch den deutsch-russischen Schüleraustausch mit einer Partnerschule in Moskau-Marino, bietet das Gustav-Freytag-Gymnasium den russischlernenden Schülern und Schülerinnen der 9. Klasse die Möglichkeit des direkten und echten Kontaktes an. Durch den Besuch der jeweiligen Heimatländer der Austauschschüler können die russischen und deutschen Schüler/innen die Vielfalt des Lebens in anderssprachigen Orten kennenlernen. Sie kommen dort mit neuen Mentalitäten, Kulturen und Traditionen innerhalb der Gastfamilien in Kontakt. Der Schüleraustausch kann dabei eine ausgezeichnete Motivation für das Erlernen der russischen Sprache sein sowie weiterführendes Interesse an Russland und den Wunsch nach anhaltendem Kontakt hervorrufen.

Eine deutsche Austauschülerin meiner Schule gab in ihrem Fragebogen ein Statement ab, nachdem sie am Schüleraustausch teilnahm. Auf die Frage, ob der Schüleraustausch eine tolle Erfahrung war, meinte sie: „Ja, das war es. Man konnte viele neue Eindrücke und Erfahrungen sammeln. Ich finde es schön, dass uns die Möglichkeit gegeben wurde, die russische Kultur und Mentalität kennen lernen zu dürfen.“ Eine andere Schülerin stimmte dieser Meinung zu, indem sie sagte: „Es war interessant für mich zu sehen, wie die russischen Familien leben […].“ So kann der Schüleraustausch zu einer besonderen Erfahrung werden, die viele Vorteile, vor allem sprachlicher Art, mit sich bringt. Dies bestätigt die vertretende Schulleiterin des Gustav-Freytag-Gymnasiums Frau Bomberg, auf deren Initiative der Schüleraustausch entstanden ist. Im Gespräch teilte sie uns mit, dass „eine Sprache […] sich im entsprechenden Land intensiver lernen [lässt] als im Unterricht.“ Ein weiterer Vorteil ergebe sich durch den persönlichen Kontakt, der durch nichts anderes ersetzt werden könne, meint Professor Dr. Holt Meyer von der Universität Erfurt und Fachbetreuer unserer Seminarfacharbeit. Er hob dies hervor, indem er erklärte, dass Voreingenommenheit und die Bildung von Vorurteilen nicht mehr möglich sei, wenn bereits im Schulalter der Kontakt zum Gastland bestehe, also je früher desto besser.

Wenn man über Russland nachdenkt, schwebt einem oft das Bild von dicken Pelzmänteln, Wodka, der in Strömen fließt, und bittere Kälte vor: Das sind drei weit verbreitete Klischees, die nur allzu gerne mit Russland in Verbindung gebracht werden. Diese Klischees beruhen auf Annahmen, die sich bis heute in der deutschen Gesellschaft halten, jedoch jeglicher wissenschaftlichen Grundlage entbehren.  Noch schlimmer sind jedoch Vorurteile, die innerhalb einer Gesellschaft verankert sind und unbewusst oder unbeachtet in den Köpfen der Menschen bestehen. Doch was sind Vorurteile überhaupt und welches Problem stellen sie dar?

Einfach erklärt, ist ein Vorurteil eine vorgefasste und meist negative Meinung, durch welche es zur Beurteilung einer Person einer bestimmten Gruppe kommt. Diese Meinung über andere geht dabei oft nicht auf eigene Erfahrung zurück, sondern wurde kritik- und bedenkenlos aus dem sozialen Umfeld übernommen. Indem einer fremden Person Eigenschaften zugeordnet werden, die man mit einer bestimmten Gruppe assoziiert, wird eine konkrete Vorstellung über diese Person erzeugt. Mit dieser verfestigten Vorstellung wird auf vermeintliche Charakterzüge, den sozialen Status und die Herkunft der Person geschlossen. Zusätzlich ergeben sich Gefühle, die mit der Person und dem verbundenen Vorurteil zusammenhängen. Doch näher betrachtet ist uns in Wirklichkeit nichts über diese Person bekannt! Genau diese Unwissenheit über andere Menschen ist ausschlaggebend für die Bildung und Verfestigung von Vorurteilen. Andererseits reicht schon das fehlende Interesse, um den Kontakt  mit einer fremden Gruppe zu vermeiden, denn freiwillig möchte sich niemand mit etwas beschäftigen, was uninteressant erscheint. Andererseits spielt der direkte Kontakt bei der Beseitigung und Vorbeugung von Vorurteilen eine zentrale Rolle, weil nur auf diesem Weg neue Erfahrungen gesammelt und das Verständnis untereinander gesteigert werden kann. Im Fall des Schüleraustausches wird ein neues, authentisches und auf eigenen Erfahrungen basierendes Bild über die neuen Bekanntschaften entwickelt.

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