Von Bildern und Worten, die die Welt und uns prägen

ZDF-Korrespondent Roland Strumpf sprach vor Schülern des Siebleber Gymnasiums

Es waren zwei spannende und völlig außergewöhnliche Unterrichtsstunden, die Russischschüler der 10. und 12.Klassen im Gustav-Freytag-Gymnasium erlebten. Roland Strumpf, einer der Auslandskorrespondenten des ZDF, den viele bisher nur von den live-Schaltungen zu den wirklich heiklen Brennpunkten des Weltgeschehens kennen, saß nun direkt in der Aula und erklärte auf scheinbar einfache Weise, was unsere Welt heute im Innersten zusammenhält.

Er gab keine fertigen Begründungen vor, sondern forderte die Gymnasiasten dazu heraus, selbst nach Alternativen für politische Handlungen zu suchen. So spannte Strumpf den Bogen vom russischen Wahlkampf, der nach unserem Demokratieverständnis als solcher gar nicht bezeichnet werden dürfte, erklärte aber auch Ursachen dafür, warum so viele Russen dem Autokraten Putin noch immer fast bedingungslos vertrauen. Dabei erläuterte er, wie trotz Globalisierung unserer modernen Welt russische Medien bei genauer Betrachtung enorm kremlgesteuert sind und echte Alternativen – gerade auch abseits der großen Metropolen- völlig fehlen. Der Anschlag auf den Ex-Agenten Skripal im britischen Salisbury wurde ebenso diskutiert wie die Rolle Russlands in Syrien.

Interessant war für alle auch, dass der Korrespondent nie ein wirklicher Einzelkämpfer ist, sondern immer die Verantwortung für sein Team hat und genau abwägen muss, wie weit er sich in einen Krisenherd hineinbegibt und ob das dadurch entstehende Risiko abschätzbar bleibt. Dabei verwies Roland Strumpf darauf, dass heutzutage sogenannte asymmetrische Konflikte absolut typisch sind, bei denen selbsternannte oft religiöse Splittergruppen ihre Gegner mit verschiedenen Mitteln, auch denen der Cyberkriminalität, bekämpfen und mitunter in Windeseile neue Allianzen schmieden, bei denen die inneren Strukturen meist sehr undurchsichtig sind. Noch schwieriger ist es für den Reporter in den Zeiten von „fake news“, wenn er aufgrund der Gefährlichkeit der Situation wie zum Beispiel aktuell in Ost-Ghuta auf Filmmaterial örtlicher Fernsehsender angewiesen ist und dies dann sehr genau prüfen muss, ob es den strengen Kriterien des deutschen Pressekodexes standhält.

Odin Hartmann (Klasse 10-3) fand es faszinierend, jemandem persönlich Fragen stellen zu können, der „direkt dran ist, an dem, was passiert“. Baldur Döring (auch 10-3) meinte, dass dieses Insiderwissen, das Roland Strumpf ihnen vermittelte, ihn selbst von nun an dazu veranlassen wird, „mit einem anderen Blick Nachrichten zu schauen oder zu lesen“

Die Resonanz der Schüler und deren von Interesse zeugende Fragen beweisen, dass solche Stunden prägender sein können als manch noch so ansprechender Lehrbuchtext.

CB, 21.03.18